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Ist Videoüberwachung in öffentlich zugänglichen Geschäften erlaubt?Thema Betrug im Einzelhandel
Die meisten Tankstellen arbeiten zwar mit Videoüberwachung, aber häufig sind die Aufnahmen so schlecht, dass die Polizei wenig damit anfangen kann.
Die Spritpreise steigen. Grund genug für einige Autofahrer, voll zu tanken und danach ohne zu bezahlen das Weite zu suchen. Im vergangenen Jahr betrogen 2500 Autofahrer auf diese Weise. Tendenz steigend.
Das Benzin ist teuer. Manch einer fährt, ohne zu bezahlen. (Bild: dpa)
KÖLN - Nicht nur, dass der Autofahrer nach dem Volltanken ohne zu Bezahlen davon fuhr – „er hat mir auch noch fröhlich zugewinkt, als er Gas gegeben hat“, berichtet die Kassiererin einer Tankstelle in Niehl. So dreist sind wohl nur wenige Tankbetrüger, Fakt ist aber: Es werden immer mehr.
Die Schadenssummen für die Pächter fallen inzwischen derart ins Gewicht, dass die Polizei den „Tankbetrug“ im kommenden Jahr erstmals als gesondertes Delikt in der Kriminalstatistik aufführen wird. 2006 zählte die Kripo 2175 Anzeigen, voriges Jahr bereits 2500, und die Tendenz ist weiter steigend. „Seit Januar registrieren wir erneut eine deutliche Zunahme“, berichtet Polizeisprecherin Maren Leisner. Nimmt man pro Einzelfall einen durchschnittlichen Schaden von 40 Euro an, entgingen den Kölner Pächtern 2007 ungefähr 100 000 Euro.
Hauptmotiv: Steigende Spritpreise
Dieser Tage nehmen die Benzindiebstähle, die juristisch als Betrug verfolgt werden, besonders zu, berichtet Thomas Drott, Justiziar des Bundesverbandes Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland e.V. „Wir haben Rekordpreise und Ferienbeginn. Da werden auch seriöse Urlauber auf der Durchreise schon mal zu Benzindieben“, sagt Drott und beruft sich dabei auf die Mitteilungen seiner Verbandsmitglieder. Auch die Polizei vermutet als Hauptmotiv die stetig steigenden Spritpreise.
In den Großstädten schlugen Tankbetrüger häufiger zu als auf dem Land, berichtet Drott. Die Masche der Täter sei häufig dieselbe: „Vor der Auffahrt zur Tankstelle manipulieren sie das Nummernschild, fahren vor, tanken voll, steigen ein und hauen ab.“ Die meisten Tankstellen arbeiten zwar mit Videoüberwachung, aber häufig sind die Aufnahmen so schlecht, dass die Polizei wenig damit anfangen kann.
Im vergangenen Jahr klärten die Ermittler in Köln gerade mal jeden fünften Tankbetrug auf. „Es wird zwar jeder Täter angezeigt und in der Regel auch strafrechtlich belangt, aber es kommt auch vor, dass dies nicht gelingt und der Pächter zusätzlich zum Schaden auch noch auf hundert oder 200 Euro Prozesskosten sitzen bleibt“, sagt Drott. Sein Kollege Stephan Zieger, Geschäftsführer vom Bundesverband Freier Tankstellen und Unabhängiger Deutscher Mineralölhändler e.V., hat zwar nach eigenen Angaben keine Zunahme an Tankbetrügereien festgestellt, verweist aber auf steigende Schadenssummen. „Dadurch, dass der Sprit teurer wird, sind auch die Verluste für die Pächter höher.“
Wer im Nachhinein von der Polizei erwischt wird, tut oft überrascht und behauptet, er habe bloß vergessen zu bezahlen. „Drei Viertel unserer Tatverdächtigen sind so genannte Vergesser“, sagt Polizeisprecherin Leisner. Doch die wenigsten kommen mit dieser Ausrede durch. „Mal im Ernst“, sagt Staatsanwalt Tino Seesko. „Wer tankt denn schon voll, steckt den Tankrüssel zurück und vergisst, zur Kasse zu gehen?"
Link: http://www.cash-plus.eu
geschrieben von Walter C. Dieterich Sicherheitsexperte am 09.07.2008 um 11:07 Uhr.
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