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Überfall-Serie

Setzt Schlecker die Sicherheit der Verkäufer aufs Spiel?

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Rhein-Ruhr, 23.11.2009, Ute Schwarzwald,

Essen. Allein 419 Mal wurden Schlecker-Filialen laut Verdi im vergangenen Jahr überfallen. Damit liege das Unternehmen weit über dem Durchschnitt. Gewerkschaft, Betriebsrat und Polizei fordern deshalb mindestens eine Doppelbesetzung für die Geschäfte. Doch die Drogeriemarkt-Kette stellt sich taub.
Kein Tag ohne: 419 Raubüberfälle auf Schlecker-Märkte zählte Verdi im vergangenen Jahr, fürs laufende rechnet man gar mit einer Steigerung von 27 Prozent. Damit liege das Unternehmen weit über dem Durchschnitt anderer Einzelhändler. Schlecker selbst gibt sich wortkarg, war nur zu einer schriftlichen Stellungnahme bereit. darin heißt es, die Zahl der Überfälle läge „seit Jahren im unteren dreistelligen Bereich”.

Die zuständige Berufsgenossenschaft für Handel und Warendistribution (BGHW), die sich seit Jahren stark im Bereich der Überfall-Prävention und der Opfer-Betreuung engagiert, stellte 2008 in einer großangelegten Untersuchung fest, im Bereich des Einzelhandels seien Drogeriemärkte generell am häufigsten von Raubüberfällen betroffen seien, häufiger sogar als Tankstellen. Weil die Täter es hier in 70 Prozent aller Fälle nur mit einer einzigen Gegenüber zu tun hätten, heißt es in der Studie.

"Zynisch und absurd"
Verdi und der Schlecker-Gesamtbetriebsrat fordern daher seit langem „mindestens eine Doppelbesetzung” in allen Filialen. „Zynisch und absurd” nennt dagegen Schlecker-Sprecher Florian Baum die Vorstellung „Schwerkriminelle ließen sich von einer Verkäuferin mehr abschrecken”. Ein Zusammenhang zwischen Besetzungshöhe und Überfallrisiko sei empirisch darüber hinaus nicht belegbar.

Auch die Forderung nach einem „Sicherheitstarifvertrag”, den die Gewerkschaft mit Schlecker abschließen möchte, hält Baum für „nicht nachvollziehbar und sachlich nicht begründet”. Das Unternehmen weigere sich, auch nur darüber zu reden, erklärt Verdi-Experte Jochen Welsch.

Der Gewerkschafter beklagt zudem, genau wie der Düsseldorfer Polizeisprecher Wolfgang Wierich, dass in manchen Schlecker-Filialen die Mitarbeiter bei Überfällen offenbar angehalten seien, zunächst den Sicherheitsdienst des Unternehmens zu informieren. Wierich: „Unsere Fahndungsmaßnahmen müssen schnell greifen. Der Zeitverzug, der dadurch entsteht, dass wir erst nach dem Sicherheitsdienst informiert werden, erschwert uns die Arbeit.” Schlecker selbst erklärt, dass bei vorhandenem Notfall-Alarmknopf dieser zu drücken, ansonsten die Polizei als erstes zu verständigen sei. (Was Betriebsrätin Antje Hirr-Gashi für ihre Filiale bestätigt.)

Einmal im Jahr betont Schlecker darüber hinaus in seinem Schreiben an die WAZ, lade man alle Mitarbeiter zu einer „umfassenden Sicherheitsschulung (ein), in der die Unterweisung zum Verhalten bei Überfällen eine herausgehobene Stellung einnimmt”. Anderthalb Stunden dauere eine solche Veranstaltung, berichtet Antje Hirr-Gashi. Das Thema Überfälle sei dabei nur ein Punkt unter vielen auf der Tagesordnung. „Ich bin nicht sicher, dass das reicht", sagt Polizeisprecher Wierich.

geschrieben von Rhein-Ruhr, 23.11.2009, Ute Schwarzwald am 24.11.2009 um 09:00 Uhr.


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