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Überfall auf Einzelhändler

Bundesweit häufen sich Überfälle auf Einzelhändler

Fast jeden Tag gibt es in Deutschland einen Überfall auf ein Einzelhandelsgeschäft.

Umschau | 17.02.2009 | 20:15 Uhr
MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fast jeden Tag gibt es in Deutschland einen Überfall auf ein Einzelhandelsgeschäft. Vor wenigen Tagen stürmte ein maskierter Räuber in eine Dresdner Tankstelle und erbeutete mehrere hundert Euro. Zudem gab es jüngst eine Serie von Überfällen in Leipziger Lottoläden. Die Täter kommen meist kurz vor Feierabend und bevorzugen dabei Geschäfte mit nur einer Verkäuferin.


Raubüberfälle in Einzelhandelsgeschäften. Der Lottoladen von Edith F. in Leipzig wurde zweimal überfallen. Anders als Bankangestellte ist sie nicht auf Überfälle geschult. Die resolute 58-Jährige leistete Gegenwehr. Als sie überfallen wird, drückt sie dem Täter trotz vorgehaltener Pistole eine Zigarettenschachtel so lange ins Gesicht, bis dieser flüchtet. "Bei mir hat der Verstand ausgesetzt, das war ein Reflex", so Edith F. Sie hat mit ihrem Leben gespielt, denn Widerstand zu leisten, ist grundverkehrt, meint der Präventionsexperte Gerd Reimann. Er rät: "Bei einem Überfall mit Waffen gilt es, keine Gegenwehr ausüben - weder verbal noch körperlich. Beim Überfall mit einer Pistole kann man gewiss sein, dass dann geschossen wird."

Auch Silke K. wurde in ihrem Lottoladen überfallen. Die zwei Männer waren mit Messern bewaffnet. Danach hat sich Silke K. auf einen eventuell nächsten Überfall vorbereitet. "Wenn es dunkel wird, habe ich Angst. Um 18.00 Uhr schließe ich den Laden gleich ab und lege das Geld sofort in den Tresor." Eingenommene Gelder besser zu schützen, das propagiert die Berufsgenossenschaft Handel bereits seit zwölf Jahren. Doch viele Händler hören nicht darauf und verzichten auf umfassende Sicherheitsvorkehrungen. Als Grund geben sie meist die hohen Kosten an.


Unternehmen scheuen Kosten für höhere Sicherheitsmaßnahmen
So auch die Drogeriekette Schlecker, die mit 400 Überfällen pro Jahr den traurigen Deutschland-Rekord hält. In Leipzig wurden jüngst drei Schlecker-Filialen überfallen. Die Räuber kamen am helllichten Tag. Die Verkäuferinnen haben Angst vor den Überfällen, scheuen sich aber aus Sorge um ihren Job, öffentlich dazu etwas zu sagen. Die Gewerkschaft ver.di ergreift für sie Partei. Aus der Sicht des Gewerkschafters Achim Neumann (ver.di) sind viele Schlecker-Filialen leichte Beute für die Räuber. Ein Blick in eine typische Filiale zeigt: Sie ist eng und unübersichtlich. Oft ist eine einzige Verkaufskraft für alles zuständig: Regale einräumen, Beratung, Verkauf. Das müsse sich ändern, fordert Neumann. Kleine bauliche Veränderungen an der Kasse würden aus seiner Sicht helfen. "Die Kassiererinnen sitzen mit dem Rücken zum Eingang. Man muss die Kasse um 90 Grad drehen, dann hat die Verkäuferin die Eingangstür und den Laden im Blick und sieht die Gefahr nahen. Zudem sollten die Regale nicht zu hoch bepackt werden. Das ermöglicht den Kollegen im Markt, aus jeder Ecke den Überblick und die Kontrolle der Tür." ver.di fordert zudem einen Sicherheitstarifvertrag, der Schlecker verpflichtet, die Überfallrisiken für die Verkäuferinnen zu minimieren. Demnach sollen stets zwei Verkäufer im Laden sein und die eingenommenen Gelder besser gesichert werden. Zudem fordert die Gewerkschaft eine psychologische Nachbetreuung der Überfallopfer.

Die "Umschau" konfrontiert Schlecker damit. Doch das Unternehmen sieht keinen Handlungsbedarf: "Ein wie auch immer gearteter Trend zu Überfällen auf Schlecker-Märkte ist - trotz einiger Serientaten - nicht zu erkennen", heißt es in einem Schreiben der Schlecker-Geschäftsführung an die "Umschau". So fühlen sich die Schlecker-Verkäuferinnen weiter schutzlos allein gelassen.


geschrieben am 02.08.2009 um 00:53 Uhr.


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